Kontakt | Datenschutz | Impressum | Sitemap
THW-Thema
Der Ortsbeauftragte des Ortsverbandes Schongau, Walter Frömmrich (r.), erklärt uns die Arbeit des THW. Foto: LGJS
Bei der Übung „Leiterhebel“ ist es gefahrlos möglich, Verletzte sicher aus Höhen und Tiefen zu bergen. Foto: LGJS
Bekamen vom Ortsvorsitzenden Walter Frömmrich (2. v.l.) einen umfassenden und sehr interessanten Einblick in die Arbeit des THW: Jürgen Schallhammer (l.), Moritz Laudahn (2. v. r.) und Johannes Brenauer (r.)

Besuch der Redakteure vom "`s Bladl" im THW Schongau

`s Bladl ist die Schülerzeitschrift des Welfengymnasiums Schongau.

Der folgende Artikel wurde mit Genehmigung der dortigen Redakteure Jürgen Schallhammer, Moritz Laudahn und Johannes Brenauer abgedruckt.

Faszination Helfen.......Das THW

Nachdem wir in Ausgabe 64 unserer Schülerzeitung einen Teil der militärischen Verteidigung Deutschlands, die LLTS in Altenstadt kennen gelernt haben, sind wir der Frage nachgegangen, wer uns eigentlich bei innerdeutschen Problemen „verteidigt".

 

Text Johannes Brenauer

 

Neben der Polizei spielt das Technische Hilfswerk eine große Rolle als Krisenmanager.

Bereits 1950 erkannte der damalige Innenminister Gustav Heinemann, dass nach dem Krieg auch die innerdeutsche Stabilität in Form einer zivilen technischen Hilfsorganisation gesichert werden muss.

Daraufhin veranlasste er noch ohne gesetzliche Grundlage die Gründung des Technischen Hilfswerks.

Erst in den 90er Jahren wurde das THW offiziell zur Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Innenministeriums.

Es hat folgende gesetzliche Aufgaben:

  • Technische Hilfe im Zivilschutz (Rettung von Personen, Sachwerten, Tieren)
  • Technische Hilfe im Auftrag der Bundesregierung auch außerhalb Deutschlands
  • Technische Hilfe bei der Bekämpfung von Katastrophen, öffentlichen Notständen und Unglücksfällen größeren Ausmaßes auf Anforderung der für die Gefahrenabwehr zuständigen Stellen.

 

Das Bladl hat sich beim Ortsverband Schongau über das THW informiert. Vom Ortsbeauftragten und Leiter, Walter Frömmrich, wurden wir am Freitag, den 21. September, freundlich empfangen.

Zunächst erklärte er uns die gesetzliche Grundlage und den Aufgabenbereich des THW (vgl. oben).

Eine große Anzahl an Ortsverbänden mit insgesamt 80.000 ehrenamtlichen Helfern werden von der THW Leitung in Bonn aus geführt. „Nur ein kleiner Teil der THW-Mitarbeiter, hauptsächlich in Bonn, ist fest angestellt", gibt Herr Frömmrich zu bedenken.

Er selbst ist seit 1972 im THW und investiert dort viel Zeit. Er spricht von einem Hobby mit Lerneffekt, bei dem handwerkliche Fertigkeiten, Improvisation und Führungsaufgaben vermittelt werden.

Auch seine Familie ist fest im THW eingebunden. Alle seine Kinder haben erfolgreich ihre 120 Wochenstunden dauernde Grundausbildung absolviert. Dabei werden Grundkenntnisse in erster Hilfe, Sicherheitsvorschriften, Umgang mit Gerät-schaften und Material aber auch praktische Anwendung von diesen umfassend geprüft. Erst nach dem Abschluss dieser Prüfung (in der Regel ab 17) darf man bei Einsätzen mit dabei sein. Denn die Einsätze haben es oft in sich. Je nach eingerichteter Fachgruppe, die sich auf Ortsverbände verteilen, divergieren die Aufgabenbereiche.

Der Schongauer Ortsverband hat neben dem Zugtrupp und den zwei Bergungsgruppen, die bei jedem Ortsverband vorhanden sind, eine Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen (WP). Neben dieser WP Fachgruppe gibt es bei anderen Ortsverbänden Fachgruppen zum Beispiel zur Elektroversorgung, Öl-, Infrastruktur- und Verpflegungsfachgruppen. „Deutschlandweit ist jede spezielle Fachgruppenart mit dem gleichen Material ausgestattet", sagt Herr Frömmrich und fügt hinzu: „Deshalb können wir im Katastrophenfall die Fachgruppen zusammenziehen und damit klotzen und nicht kleckern."

So war der Schongauer Ortsverband nicht nur deutschlandweit sondern auch europaweit in Einsatz, um hauptsächlich bei Hochwasser, fachmännisch eingreifen zu können. In Südfrankreich-Arles, in der Semperoper beim Elbhochwasser in Dresden und auch in Casale in Italien war das THW aus Schongau mit seinen leistungsstarken Pumpen unter anderem schon im Einsatz.

Herr Frömmrich berichtet über viele Erlebnisse, die ihn bei seinen Einsätzen in den Katastrophengebieten geprägt haben.

In Frankreich ist zum Beispiel ein älterer Mann mitten auf der Straße vor meinem LKW stehen geblieben, hat den Hut gezogen und ist wieder weiter gegangen. Solche Situationen kann man nicht vergessen" sagt Herr Frömmrich.

Anhand weiterer Beispiele gibt er uns Einblick in die oft schwierigen Einsätze. Hier ist es notwendig, dass man mit dem vorhandenen Material optimal umzugehen vermag. Denn oft gibt es Fälle, bei denen man improvisieren muss und wo die Routine nicht mehr ausreicht.

An diesem Freitagabend hatten wir das Glück, gleich mehrere Übungen hautnah mitzuerleben.

In der Herzogsägmühle an der Boulderwand wohnten wir einer Übung, genannt Leiterhebel, bei. (siehe Bild) „Mit diesem Leiterhebel ist es gefahrlos möglich, Verletzte sicher aus Höhen und Tiefen zu bergen", informiert uns „THW-Juniorchef" Stefan Frömmrich, der auch Schüler der 13. Klasse unseres Gymnasiums ist. Interessant zu beobachten ist die Technik, mit der das THW hier arbeitet: An einer Leiter wird zunächst eine Trage mit reißfesten Seilen und speziell erlernten Knoten befestigt. Anschließend erfolgt das Anlegen von Zugseilen an der Leiter in verschiedene Richtungen, damit die Leiter mit der Trage stabil und gleichmäßig nach oben und unten befördert werden kann.

Stefan Frömmrich erklärt uns, dass es bei sämtlichen THW Ortsgruppen genormte Vorgehensweisen gibt. Die Seile werden immer in der gleichen Art und Weise aufgerollt und auch die Knoten werden nach einem speziellen Schema geknüpft. Im Ernstfall ist das von besonderer Wichtigkeit.

Leistungsstarke Dieselmotoren erzeugen dabei Energie für die hellen Scheinwerfer. Auch bei deren Aufbau müssen besondere Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden. So muss die Kabeltrommel immer ganz abgerollt sein, damit sie sich nicht erhitzen kann. Außerdem müssen zusätzliche Stützen an dem Scheinwerfer ab einer gewissen Höhe angebracht werden, um nur einiges zu nennen.

Ein weiterer Auftrag der Einsatzleitung lautete an diesem Abend:

„Errichten Sie eine geeignete Brücke zum Überqueren der Schönach". Vom Ortsbeauftragten persönlich wurden wir im THW-Bus nach Altenstadt mitgenommen.

Unterwegs empfingen wir per Funk die Nachricht, dass zu wenige Leitern für die Erfüllung der Aufgabe vorhanden sind. Daraufhin gab die Übungsleitung den Ersatzauftrag bekannt: „Errichten Sie einen Dreibock, mit dem eine Person aus einem Erdloch geborgen werden kann."

Hervorgehoben werden muss am Ende dieses Artikels, dass alle Mitglieder des Ortsverbands Schongaus rein ehrenamtlich tätig sind, also kein Geld für ihre Arbeiten im Dienste der Allgemeinheit bekommen. Die Hilfsorganisation versteht sich als Partner für Menschen in Not.

Die Faszination, die vom Helfen in Teamarbeit ausgeht, ist enorm.

Nebenbei erwähnt: Bei einer Verpflichtung beim THW für sechs Jahre ist der Grundwehrdienst abgegolten.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Walter Frömmrich und bei Stefan Frömmrich für die äußerst informative und interessante Vorstellung des Technischen Hilfswerks.

  

zurück