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THW-Thema
 

Die Geschichte des Ortsverbandes

I. Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
oder nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium

In den Nachkriegszeiten wurde die Notwendigkeit erkannt, für den Bund eine Einrichtung zu schaffen, die den Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall sicherstellte. Als Vorbild wurde damals die technische Nothilfe angesehen, die im zweiten Weltkrieg unverzichtbar war.

Im Jahre 1950 wurde deshalb das THW auf Bundesebene gegründet. Der Gründungsakt basierte auf einem Errichtungserlass des damaligen Bundesinnenministers und späteren Bundespräsidenten Dr. Gustav Heinemann. Das THW war damals eine nichtrechtsfähige Bundesanstalt im Bereich des Bundesinnenministeriums. Die Verwaltungsaufgaben wurden im Bundesamt für Zivilschutz abgewickelt.

In der Folge wurden bundesweit Ortsverbände gegründet, die ausschließlich mit ehrenamtlichem Personal arbeiteten.

Dieser rechtliche Zustand hatte über 40 Jahre Bestand. Erst in den 90 zigern wurde das THW Helferrechtsgesetz erlassen und die Ausgliederung aus dem Bundesamt für Zivilschutz durchgeführt. Daraufhin wurde das THW selbstständig. Folglich wurden Haushaltsmittel dem THW direkt zur Verfügung gestellt. Bis zu diesen Zeitpunkt hatte das THW keine Rechtsgrundlage. Es wurde aufgrund eines Erlasses des Innenministers errichtet. Das Finanzministerium stellte über 40 Jahre lang Haushaltsmittel zur Verfügung, obwohl keine Rechtsgrundlage vorhanden war.

Nachdem die rechtlichen Hürden genommen waren, folgten mehrere Strukturwandlungen, um das THW so umzugestalten, wie wir es heute kennen. Aus dem THW der Gründerzeit hat sich eine schlagkräftige Einsatzeinheit entwickelt, die im Auftrag der Bundesregierung im In- und Ausland tätig ist. Der Erfolg und die Anerkennung, insbesondere aus dem Ausland, gab den Gründungsvätern recht.

 

II. Der Ortsverband Schongau

1. Personelle Entwicklung

Im Jahre 1953 fand sich eine Handvoll Personen zusammen, um den Ortsverband Schongau zu gründen. 1954 war es dann soweit. Am 18.3.1954 wurde der Ortsverband offiziell mit 17 Helfern gegründet.

Der erste Ortsbeauftragte war Heinrich Achmüller. Untergebracht war der Ortsverband in der Christophstraße im Anwesen Steidele, gegenüber dem jetzigen Stadtmuseum. In der schlechten Zeit entwickelte sich der Helferbestand ziemlich schnell Es waren teilweise bis zu 50 Aktive vorhanden.

Im Jahre 1955 wurde eine Garage beim Roten Kreuz als Unterkunft verwendet.

Zehn Jahre später erfolgte der Umzug in eine gemietete Unterkunft an der Marktoberdorfer Straße. Diese befand sich unmittelbar östlich der Südbayerischen Transportgesellschaft. Sie wurde gemeinsam mit dem Roten Kreuz genützt. Zudem befand sich dort auch der Probenraum des Spielmannszuges.

Als Ortsbeauftragte fungierten:

Herr Max Ried ab 1955,

Herr Franz Ruprich ab 1969,

Herr Franz Edelmann ab 1970

Herr Günter Feistl ab 1975

Herr Walter Frömmrich ab 1984 (aktueller Ortsbeauftragter).

Unter der Leitung von Herrn Edelmann wurde 1978 der Umbau einer ersteigerten Lagerhalle, der jetzigen Unterkunft, angegangen. Diese befand sich im Rohbau. Der Ausbau wurde mit eigenen Helfern durchgeführt.

Im November 1979 erfolgte der Umzug in dieses Gebäude.

Infolge der übermäßigen Belastung der Helfer schrumpfte der Personalbestand auf nur noch ca. 10 Personen.

Ab 1984 wurden unter meiner Leitung als OB versucht, den Helferbestand neu aufzubauen.

Ende der 80 ziger Jahre waren ca. 70 aktive Helfer im OV tätig. Hauptsächlich handelte es sich um Personen, die vom Wehrdienst freigestellt waren.

In den 90 zigern ging es mit den Helferzahlen wieder abwärts. Der Grund lag in der mittlerweile geänderten allgemeinen Einstellung zum ehrenamtlichen Engagement und in der Verkürzung der Verpflichtungszeit für freigestellte Helfer. Die Verpflichtungszeit ging von 10 über 8 und 7, auf 6 Jahre zurück.

Im Jahr 2011 wurde die Wehrpflicht komplett aufgehoben. Seit diesem Zeitpunkt gibt es beim THW keine freigestellten Helfer mehr.

Das Zusammentreffen all dieser Ursachen in den vergangenen Jahren führte zu einem Helferbestand von nunmehr konstant ca. 40 aktiven Helfern plus Alt- und Reservehelfern.

Bereits 1983 trat die erste Frau als aktive Helferin in den Ortsverband ein. Mittlerweile sind im Ortsverband 10 Frauen aktiv tätig. In der Jugendgruppe wirken drei Jugendliche mit.

Auch die Gründung der Jugendgruppe fiel in diese Zeit. 1985 wurde die erste Jugendgruppe gegründet.

Der erste Jugendbetreuer war Roland Bumeder. Ihm folgten bis heute Ingolf Laps, Reiner Waldner, Robin Stanzel, Metty Markus, Rehm Thomas , David Templin und Julius Kiefert.

Da der Andrang bei der Jugend so groß war, musste 1989 eine zweite Jugendgruppe gegründet werden Die dritte Jugendgruppe wurde 2010 gegründet.  Momentan sind über 30 Jugendliche aktiv. Gerade die starke Jugend ist die Zukunft des Ortsverbandes.

Insgesamt weist der gesamte Helferbestand momentan ca. 100 Personen auf.

 

2. Materielle Entwicklung

Es begann mit einer Schubkarre, Pickel und Schaufel und einigen Bindeleinen.

In den nächsten Jahren folgten dann drei Mannschaftswagen mit 7,49 t Gesamtgewicht vom Typ Borgward und Hanomag. Diese Fahrzeuge hatten einen Motor mit 70 PS. Lenkhilfe und synchronisiertes Getriebe waren damals noch Fremdworte.

Ein Borgward Gerätewagen wurde relativ schnell durch eine Magirus GKW ersetzt. Dieses Fahrzeug hatte bei 12 t Gesamtgewicht 120 PS. Der Begriff Kraftfahrer hatte auch hier noch seine Bedeutung, denn es gab noch keine Lenkhilfe und kein synchronisiertes Getriebe.

Alle Fahrzeuge waren in bundeswehrbraun lackiert. Mitte der 70 ziger Jahre wurde das THW - blau eingeführt. So wurden der damalige Bestand im OV, 2 Borgward MKW und ein Magirus GKW in Eigenleistung umlackiert.

Ein gebrauchter VW Bus wurde gekauft und umlackiert.

Im Jahr 1977 stieß ein Mercedes Rundhauber Kipper zum Fuhrpark.

1979 erhielten wir einen neuen VW Bus als Zugtuppfahrzeug.

In den Jahren 1981 bis 1984 erhielten wir insgesamt drei neue Fahrzeuge. Es handelte sich um zwei MKW Mercedes 911 und einen GKW Magirus. Ein Fahrzeug ist heute noch vorhanden. Die Geräteausstattung wurde von den Vorgängerfahrzeugen übernommen und ist zum Großteil auch heute noch im Einsatz.

In den 90 ziger Jahren wurde eine Bergungsgruppe gestrichen und ein MKW abgegeben.

Für den abzugebenden Verpflegungstrupp mit Feldkochherd wurde uns eine Brückenbaugruppe zugeteilt. Mangels Ausstattung bestand diese jedoch nur auf dem Papier.

Mit der neuen Dislozierung wurde uns, an Stelle der Brückenbaugruppe, im Jahr 1995 eine Wasserschaden Pumpen Gruppe zugeordnet.

Unser Kipper wurde an den OV Landsberg abgegeben.

Als Folge erhielten wir 1996 einen 15 Jahre alten LKW Mercedes 1117 aus der Mobilmachungsreserve der Bundeswehr. Dieser wurde mit erheblichem finanziellem Aufwand auf THW Standard umgerüstet. Es dauerte noch einige Jahre, bis alle Standschäden beseitigt waren.

An Pumpen erhielten wir abgegebenes Material aus den aufgelösten Instandsetzungszügen, sowie eine neue 3000 l Tauchpumpe und die Hannibalausstattung.

1998 wurden wir durch den TÜV von unserem MTW VW Bus geschieden. Daraufhin bekamen wir einen über 10 Jahre alten Bus vom Warnamt Ansbach, das aufgelöst worden war. 2000 wurde dieses Fahrzeug durch einen neuen MTW Ducato ersetzt.

Als Neufahrzeug erhielten wir 2002 einen Stromerzeuger mit 50 KVA Leistung mit einem Flutlichtmasten.

Durch den örtlichen Helferverein wurden zudem 2 gebrauchte VW T4 für die Jugendarbeit beschafft und ein 20 Jahre alter Unimog erworben. Diese Fahrzeuge wurden von M+M Rescuecars (Markus und Mathias, zwei Helfer aus dem OV) für THW Zwecke hergerichtet.

Der Verein kaufte einen neuen Bootsanhänger und 2 neue PKW Anhänger.

Im Jahr 2005 wurde ein VW T4 abgegeben. Dieses Fahrzeug hatte einen kapitalen Motorschaden. Zusätzlich stellte sich heraus, dass der Rahmen bereits ein faustgroßes Loch hatte. Mit Hilfe der örtlichen Wirtschaft und Politik konnte der Verein einen drei Jahre alten Ford Transit übernehmen, der in Eigenleistung THW tauglich gemacht wurde.

Der Landkreis stellte dem Ortsverband 2008 im Rahmen der örtlichen Gefahrenabwehr eine neue Hochwasserpumpe der Fa. PBP zur Verfügung. Die Pumpe hat eine Leistung von 16.600 l/min.

Als Zugfahrzeug war der Unimog vorgesehen. Es stellte sich bereits vor der Lieferung der Pumpe heraus, dass das zugehörige Schlauchmaterial damit nicht transportiert werden konnte. Deshalb wurde 2008 der Unimog verkauft und durch einen LKW mit Ladebordwand ersetzt. Dieses sieben Jahre alte Fahrzeug wurde durch den Verein wieder mit Unterstützung aus der Wirtschaft und der Politik gekauft und mit einem Aufwand von rund 1.300 Stunden Eigenleistung hergerichtet.

Am 20.12.2008 erhielten wir als erster Ortsverband im Geschäftsführerbereich einen neuen Mehrzweckkraftwagen (MzKW) mit Ladebordwand für die zweite Bergungsgruppe. Die Ausstattung wurde vom Vorgängerfahrzeug, dem Gerätekraftwagen 2 (GKW2) übernommen. Dieses Fahrzeug geht noch nach einer Nutzungszeit von 26 Jahren im Januar 2009 als Platzhalter für ein nicht vorhandenes Fahrzeug an den Ortsverband Garmisch Partenkirchen.

Vollkommend überraschend erhielten wir am 24.4.2009 einen neuen LKW für die Fachgruppe Wasserschaden Pumpen. Der alte LKW, Baujahr 1981, der aus der Mobilmachungsreserve der Bundeswehr stammte, geht noch als Platzhalter für ein nicht vorhandenes Fahrzeug an den Ortsverband Weilheim. Die gesamte Fachdienstausstattung wurde vom alten Fahrzeug übernommen.

Am 8.5.2010 erhielten wir einen neuen GKW. Es war der erste GKW der Firma Rosenbauer, der nach Bayern geliefert wurde. Der alte GKW Iveco/Magirus, Baujahr 1984, wurde über die VEBEG  Versteigert. Die gesamte Fachdienstausstattung wurde vom alten Fahrzeug übernommen.

 

3. Die Einsätze

In der Vergangenheit gab es für den Ortsverband Schongau viele Einsätze.

Hier eine unvollständige Auflistung von größeren Einsätzen:

1958 Windbruch bei Aichach

Abstützung zweier einsturzgefährdeter Häuser in Schongau (jetzige Ranzpassage)

1963 Erdbeben in Skopje Mazedonien

1970 Notdach bei der Firma Moralt in Peiting

1972 Olympische Spiele München

1975 Hochwasser in Weilheim

1984 Hagelkatastrophe in Haar

1984 Sturmschaden Dach Fa. Hoerbiger, Martina Hoerbiger Str.

1985 Hochwasser Peiting und HSM

1985 Sturmschaden Dach V - Markt

1988 Ölunfall in Hohenpeißenberg (Supermarkt)

1990 Sturmschaden Dach Fa. Hoerbiger, Im Forchet

1990 Sturmschaden Windbruch Sachsenrieder Forst

1992 Hilfsgütertransport nach Gogolin Polen

1993 Hilfsgütertransport nach Gogolin Polen

1994 Sturmschaden Fassade Fa. Hoerbiger, Bernbeurener Straße

1997 Hochwasser in Tschechien

1999 Pfingsthochwasser in Schongau

1999 Öl in Kiesgrube in Peiting

1999 Hilfsgütertransport nach Süditalien

1999 Hilfsgütertransport nach Süditalien

1999 Schneechaos in Schongau (Schleppen von 15 LKW, die die Straßen blockierten)

2000 Hochwasser in Schongau (Kläranlage)

2000 Hochwasser in Casale Norditalien

2001 Entgleister Bahnwaggon in Schongau

2001 Bergung eines Schneepfluges in der Herzogsägemühle

2002 Entgleister Bahnwaggon in Schongau

2002 Hochwasser in Kaufering

2002 Hochwasser in Mindelheim / Pfaffenhausen

2002 Hochwasser Glonn, Landkreis Ebersberg

2002 Elbehochwasser in Dresden und Riesa

2002 Hochwasser in Geretsried

2003 Hochwasser in Arles in Frankreich

2005 Hochwasser in Penzberg

2005 Hochwasser in Garmisch Partenkirchen

2005 Hochwasser in Freising

2005 Brand Schlosshotel Elmau

2006 Schneekatastrophe in Landsberg und Schongau

2006 Hochwasser Schwabmünchen

2007 Sturmschäden in Hohenpeißenberg

2007 Schneebruch in Schongau

2007 Hochwasser in Penzberg

2008  Abpumpen eines Weihers nach Ölunfall (BAB A95)

2009 Regen- und Schmelzwasser in Schongau

2009 Erdbebenhilfe in Onna Italien 

2009 Hochwasser im Raum Weilheim

2009 Hochwasser Steingaden

2009 Rathausbrand in Penzberg

2010 Bergung eines LKW zwischen Peiting und Rottenbuch

2010 Schleppen eines LKW

2010 Beseitigung von Holzstoff in Schongau

2011 Schleppen von LKW im Raum Schongau

2011 Fachberater Verschüttete Person in Bernbeuren

2011 Hochwasser in Oderding und Weilheim

2011 Großbrand Sachsenried

 

Der größte Einsatz in der Geschichte des Ortsverbandes war 2002 das Elbehochwasser. Es waren insgesamt 34 Helferinnen und Helfer 16 Tage lang im Einsatz. Es wurden 5.912 Einsatzstunden geleistet.

Der größte Auslandseinsatz fand 2003 in Arles /Frankreich statt. Das Hochwasser der Rhone forderte 16 Tage lang den Einsatz von 15 Helfern. Hier wurden 4.225 Stunden geleistet.

Der OV wirkte bei unzähligen Veranstaltungen mit z. B. Auf- und Abbau, Sicherheitsdienst usw.

Ski Weltmeisterschaft in Garmisch - Partenkirchen

Hexe von Schongau

Wieskonzerte

Ruethenfest Landsberg

Oberlandrallye

Rad WM der Behinderten

Bühne für Fasching

Faschingszugbegleitung

Stromversorgung diverser Konzerte

BR Radltour

Es wurden zahlreiche Übungen mit dem Landratsamt, den anderen Hilfsorganisationen und innerhalb des THW durchgeführt.

Auch auf mehreren regionalen Ausstellungen wie z. B. ALWA und Messen wie 2003 in Lonigo (Veneto, Italien) und 2007, 2008 und 2010 Monticiari (Lombardei, Italien) sowie 2011 in Bozen (Südtirol) war der Ortsverband für das THW präsent.

 

4. Dank

An dieser Stelle möchte ich den Helferinnen und Helfern besonders danken. In unermüdlicher Arbeit haben sie den Ortsverband so geschaffen wie er sich heute präsentiert.

Auch den Arbeitgebern unserer Helfer und Helferinnen gebührt großer Dank. Im Nachgang zum Elbehochwasser wurde auf einem Danke Plakat für Arbeitgeber der THW Leitung der Slogan verwendet „Danke dass wir helfen durften."

Es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Helfer für mehrere Tage, teilweise sogar Wochen von der Arbeit freigestellt werden. Besonders problematisch ist die Situation dann, wenn unseren Leuten nicht mal mehr Zeit bleibt die Arbeitgeber von einem längeren Einsatz zu unterrichten. Es ist bedauerlich wenn man sagen muss, ich bin jetzt für mehrere Tage im Einsatz, wann ich wieder komme, kann ich nicht vorhersagen.

Trotz dieser widrigen Umstände ein herzliches Dankeschön an die Arbeitgeber.

 

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